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Geschichte die Schrodaer Kreisbahn



     Im Großraum Posen des um die Jahrhundertwende zum Deutschen Reich gehörigen Westpreußen hatten Bauern und ländliche Unternehmer den Wunsch, durch Anbindung an die Eisenbahn bessere Transportmöglichkeiten in die Großstadt zu bekommen. Zu diesem Zweck gab die Eisenbahngesellschaft der Schrodaer Kreisbahnen am 23. Juni 1902 feierlich die von ihr errichteten ersten Teilstrecken für den öffentlichen Verkehr frei.
      Während ein Teilstück in Normalspur die Stadt Posen östlich umschloss und ein Abzweig davon bis zum Vorort Kobylepole führte, verlief das erste 1000-mm-Schmalspurgleis mit Anbindung in Kobylepole über die Ortschaften Splawie, Tulce, Krerowo, Polazejewo bis Sroda. 1910 wurde das Teilstück Sroda-Zaniemysl fertig gestellt und dem öffentlichen Verkehr übergeben. Um den Schmal- und Normalspurverkehr in der Nähe des Übergangsbahnhofes Sroda-Wask zu entflechten, bauten damals die Ingenieure einen Viadukt für die Schmalspurlinie über die Normalspurstrecke. Damit konnte die sonst übliche Querung mittels Dreischienengleis oder einer ebenerdigen Schienenkreuzung vermieden werden.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abtretung Westpreußens an den polnischen Staat blieb die Schrodaer Kreisbahn selbstständig, bekam aber wie alle anderen Unternehmungen einen polnischen Namen: Sredzkiej Kolei Powiatowei. Während des Zweiten Weltkrieges gliederten die deutschen Besatzer die Kreisbahn in den so genannten Zweckverband Gaubahnen Wartheland ein und unterstellten sie somit der deutschen Besatzungsmacht. Mit Gründung des sozialistischen polnischen Arbeiterstaates nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nach und nach alle Betriebe in Staatseigentum überführt.

     Die polnische Staatsbahn PKP übernahm am 1. Juli 1949 die Betriebsführung und das Vermögen der Kreisbahn und gliederte es in das Staatsvermögen ein. Ein einschneidender Schritt in der Geschichte dieser Bahn war die Umspurung der Schmalspurlinie Kobylepole-Sroda-Zaniemysl und aller Zweigstrecken von 1000 mm auf 750 mm Spurweite im Jahr 1952. 1954 bekam die Schmalspurbahn die ersten vier der bis heute üblichen polnischen Dampflokomotiven der Reihen Px48 und Px49 zugewiesen. Zum Bestand gehörten damals weiterhin 6 vierachsige Personenwagen (drei der Gattung 1Aw und drei der Gattung 2Aw) sowie 28 Schmalspurgüterwagen der verschiedensten Gattungen.

     Nach dem Zweiten Weltkrieg erbrachte die Schmalspurbahn ihre größten Transportleistungen, sicherlich bedingt durch den Wiederaufbau des zerstörten Landes. In ist angegeben, dass 1955 auf der Schmalspurstrecke ungefähr 130000 Tonnen Güter und rund 350000 Personen befördert wurden. Das anschließend rückläufige Transportaufkommen war wohl der Grund, dass 1968 der durchgehende Verkehr zwischen Kobylepole und Sroda eingestellt wurde. Einzelne Stichbahnen, z. B. jene nach Brodowa, Czarnotek und Mystek wurden 1973 stillgelegt. 1976 stellte die PKP den Betrieb auf der Hauptlinie zwischen Kobylepole und Splawie ein. Der Verkehr auf dem Rest der Hauptstrecke wurde nur noch bis 1977 weitergeführt.

      Ab 1978 existiert bis heute der Eisenbahnbetrieb nur noch auf der Teilstrecke Sroda-Zaniemysl. Naturgemäß mussten die Transportleistungen bei solch gravierenden Stilllegungen des Betriebes drastisch zurückgehen. Im Jahr 1986 wurden auf dem verbliebenen Teilstück Sroda-Zaniemysl noch 126000 Passagiere gezählt und nur 18000 Tonnen Güter befördert. Das verdeutlicht, dass dieses Teilstück immer für den Personenverkehr die größte Bedeutung hatte und wohl deshalb bis jetzt in Betrieb ist. Im Sommer 1995 waren auf dem Bahnhof Sroda-Miasto etliche voll beladene Schmalspurwaggons abgestellt, in denen sich Kokskohle für die bäuerlichen Betriebe in und um Zaniemysl befand.

     Schmalspurbahn formell geschlossen wurde im Jahr 2001. Bereits im Jahr 2002 hatte sich in ¦roda ein lokaler Verein gebildet, um den Zugverkehr von der Staatsbahn PKP zu übernehmen. Stadt und Landkreis hatten zugestimmt, Strecke, Gebäude und Fahrzeuge von der PKP zu übernehmen und an den Verein zu verpachten. Inzwischen ist der Landkreis ¦roda (Powiat ¦redzki) Träger der Kleinbahn und betrachtet sie mit Recht als eine historische und touristische Perle seiner Region. Es gibt einen regelmäßigen Dampf-Sommerfahrplan.



Quelle:
- Parowozik - Magazin 1989r.
- Eigenmitteln